Die Erde geht auf
Artemis II, die jüngste NASA- Mission machtenes möglich: Erstmals gibt es ein Foto, das die aufgehende Erde zeigt. Vom Mond aus betrachtet.
Auch dieses Foto erinnert uns daran, wie einzigartig schön und kostbar der blaue Planet Erde ist. Und wie lebendig! Denn selbst in dem unweit des NASA-Gelände gelegenen Naturschutzgebietes freuen sich viele nichtmenschlichen Mitbewohner ihres Lebens: Seeadler, Schildkröten, Echsen, Wildschweine und viele andere mehr. Denn auf der NASA-Website findet man neben vielen anderen Fotos auch manche Naturfotographien. Nicht nur tropische Wirbelstürme, auch die Natur von nebenan.
Der Wert der Natur steht in der Raumfahrt selten im Zentrum. Dennoch verdanken wir der Raumfahrt ein wichtiges Aha-Erlebnis. Als die Erde z um ersten Mal aus dem Weltall fotografiert wurde, ging ein Raunen rund um die Welt. Für einen kurzen Augenblick staunte das Weltbewusstsein und war voller Ehrfurcht. Alle verstanden, wie klein, wie kostbar und wie zerbrechlich unser Heimatplanet Erde ist. Und vergaßen es wieder.
Jetzt also ist die Menschheit endlich auch hinterm Mond angekommen. (Waren wir dort nicht mit einem Teil unseres Selbst schon immer?)
Und endlich wissen wir, wie es aussieht, wenn – vom Mond aus betrachtet – die Erde aufgeht.
Doch was genau suchen wir dort oben?
Starlink II ist der Auftakt für die nächste „ganz großen Beschleunigung“. Die Erde ist uns zu klein geworden. Daher gibt immer mehr staatliche und nichtstaatliche Akteure, die es gar nicht abwarten können, den Mond, den Mars und (wenn möglich) das GANZE UNIVERSUM zu besiedeln. Der Weltraum ist (neben den Weltmeeren und den Polarregionen) Sehnsuchtsort globalen „Standortwettbewerbes“.
Das ist teuer
Die Kosten nur für Artemis 2 liegen nach Expertenschätzungen bei ca. vier Milliarden Dollar.
Das Apollo-Programm hat rund 28 Milliarden Dollar gekostet,. Das wären heute ca. 280 Milliarden Dollar.
Angesichts der Tatsache, dass sich die drittgrößte Industrienation der Welt (Deutschland) sein Gesundheitssystem oder ausreichend Klimaschutz nicht mehr leisten kann, sind die Kosten dieser aufblühenden Weltraumträume ein Welt-Alptraum. Nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch: Jeder Euro, der heute ausgegeben wird, hat einen großen ökologischen Rucksack. Wir leben, als ob wir drei bis vier Erden im Rucksack hätten. Eine absolute Entkopplung ist nicht in Sicht. Für alle, dieses selbstmörderische Wachstumsmodell bevorzugen, bleibt da wohl nur noch die Hoffnung auf den Weltraum als Rohstofflager.
GRÖSSEN-WAHN-SINN
Auf Starlink II sollen – das ist der Plan – Starlink III und IV und V und VI und VII.. https://www.nasa.gov/humans-in-space/artemis/ folgen.
Das Starlink-Ziel ist die Vorbereitung einer dauerhaften Besiedlung des Mondes. Dieser Plan wird derzeit von vielen Großmächten und einer wachsenden Zahl von Unternehmen befeuert, die daran verdienen wollen. Die Entwicklung von Transportern und Robotern, mit deren Hilfe der Mond besiedelt, erforscht und ausgebeutet werden soll, sind in der Testphase. Auch das kann man auf der NASA-Website alles nachlesen.
Die Besiedelung des Universums von der Musk angeblich träumt, wird also – wenn kein Wunder geschieht – die Lebensgrundlagen für uns Erdlinge – die Gemeinschaft aller menschlichen und mehr-als-menschlichen Lebewesen – weiter zerstören.
Schon heute befinden sich über 15.000 Satelliten im Weltall, versorgen uns mit Daten und Internet, helfen Kriege zu führen, Taifune zu beobachten und hinterlassen nach ihrem Ableben Spuren. Die Globalvermüllung der Welt durch „mankind“ macht vor dem Weltraum schon lange nicht mehr Halt.
Das ist erst der Anfang!
„SpaceX hat bei der US-Regulierungsbehörde FCC einen Antrag auf Genehmigung für weitere 1 Million Satelliten im Orbit eingereicht. Ziel ist es, diese neue Satellitenflotte als orbitale Rechen- und Datenzentren einzusetzen, um Künstliche Intelligenz (KI) zu betreiben.“
Eine Million Satelliten, die als orbitale Datenzentren agieren? Wirklich?
Sie sollen der erste Schritt hin, zu einer Zivilisation „Typ Kardaschow II“ sein: Eine Zivilisation, die Energie der Sonne nutzt, KI-gesteuerte Anwendungen für Milliarden von Menschen ermöglicht und die multi-planetare Zukunft der Menschheit unter den Sternen sichert.
Und Nein: Wir sind nicht im Kino.
Elon Musk, den viele für einen der Mitverursacher dieses Geschehens halten, hat für diesen Plan interessante Gründe.
Das Buch „Muskismus“ von Quinn Slobodian liefert hier interessante Hinweise.
Erstens muss man verstehen, dass Elon Musk sich mit seinen „wahn-sinnigen“ Zukunftsvisionen, die er als Meme erfolgreich in die Welt gesetzt hat, gewissermaßen „selber mit dem Schopf“ aus dem Sumpf gezogen hat. Es waren staatliche Mittel oder Staatsaufträge und Technovisionen, die ihm geholfen haben, den Firmenwert seiner Unternehmen an den Börsen so hochzutreiben, dass, dass er das Fremdkampital aufnehmen konnte, dass in nicht nur antreibt, sondern vor allem auch vor sich hertreibt.
Musk möchte nun offensichtlich den Geistern, die er rief, entkommen. (das verstehe ich gut). Denn das Gute das man ruft, bringt manchmal auch das Böse hervor.
Seine Befürchtung: KI wird als Superintelligenz unser aller „ES“ repräsentieren. Dieses von der Menschheit selbst erschaffene (programmierte) Monster wird seine Meinung nach alle negativen menschlichen Eigenschaften haben, die sich nicht zuletzt auf Social Media endlich öffentlich entfalten durften. Wer möchte da schon noch auf der Erde bleiben?
Mit ein wenig Distanz betrachtet und ein wenig mehr Boden unter den Füssen (wie die Schildkröte auf dem NASA Gelände), fragen wir uns: Wer sucht dort oben WAS?
Und wen sollten wir auf den Mond schicken?
Gibt es dort oben die Schönheit, den Sinn, die Lebendigkeit, das Glück, die Selbstwirksamkeit, den Flow, die Gemeinschaft, die Würde… die wir hier auf Erden vermissen?
Schicken wir Raketen zum Mond, weil wir das Gefühl und den Geruch des Bodens unter unseren Füßen vergessen haben oder nicht mehr spüren? Weil wir die Erde als unser Zuhause nicht genügend lieben und respektieren?
Bleibt zu hoffen, dass der eigentliche Sinn dieser „Mission“ uns früher oder später dabei hilft auf Erden ganz und gar anzukommen. Die Mission lautet dann nicht „einmal hinterm Mond und zurück“ – sondern: Endlich zurück und auf der Erde ganz und gar angekommen.