{"id":44,"date":"2024-02-14T08:33:18","date_gmt":"2024-02-14T08:33:18","guid":{"rendered":"https:\/\/christineax.de\/?p=44"},"modified":"2024-02-14T08:33:18","modified_gmt":"2024-02-14T08:33:18","slug":"dem-harten-weichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christineax.de\/?p=44","title":{"rendered":"Dem Harten weichen"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das Harte ist nur scheinbar im Vorteil und siegt. Das Weiche und Biegsame hat ein Imageproblem. Wir m\u00fcssen das \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Muss das eigentlich sein? Je besser es uns (materiell) geht, desto h\u00e4rter sind wir mit uns selbst. Selbstoptimierung und Perfektion sind angesagt. Lustvoll unterwerfen wir uns eisernen Exerzitien. Beweisen uns und anderen, dass wir weder \u00abWeicheier\u00bb noch \u00abWarmduscher\u00bb sind, sondern stark und diszipliniert. Allzeit zu H\u00f6chstleistungen bereit. Das ist gut f\u00fcrs Image im B\u00fcro und karrieref\u00f6rdernd.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abNo sports\u00bb traute sich nach Churchill, niemand mehr laut zu sagen. Dabei wurde der \u00abzigarrenfressende\u00bb, dem Whisky sehr zugeneigte, exzentrische und alles andere als disziplinierte Spr\u00f6ssling aus englischem Adel auch ohne st\u00e4ndige Leibes\u00fcbungen uralt. Seine Vitalit\u00e4t war \u2013 wie auch seine Neigung zu Exzentrik und Exzessen &#8211; legend\u00e4r, und seine gr\u00f6\u00dften Erfolge feierte der Literatur-Nobelpreistr\u00e4ger und Staatsmann in einem Alter, in dem andere sich in den Ruhestand verabschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass wir heute so hart mit uns sind, hat mit dem materiellen \u00dcberfluss zu tun, in dem wir leben. Wer das Gl\u00fcck hatte, in unser Nachkriegseuropa hineingeboren worden zu sein, musste f\u00fcr sein Privileg, in Wohlstand und Sicherheit zu leben, nicht viel leisten. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns nicht bestrafen. Wir k\u00f6nnen uns auch einfach dar\u00fcber freuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es trotz \u00dcberfluss Knappheit an lebenswichtigen G\u00fctern gibt, hat das einen einfachen Grund: Mittel und Zweck des Wirtschaftens wurden im 20. Jahrhundert vertauscht. Statt das Gemeinwohl zu mehren und allen ein gutes Leben zu erm\u00f6glichen, stehen Konkurrenz, Wachstum und Geldvermehrung im Zentrum von Politik und Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die H\u00e4rte, mit der Unternehmen, Nationen, Eliten und religi\u00f6se Fundamentalisten ihre Ziele durchsetzen, ist weder originell noch neu, noch notwendig. Vor allem aber war angesichts der endlosen M\u00f6glichkeiten, die wir heute haben, so \u00fcberfl\u00fcssig und so sinnlos.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Den B\u00f6sen das B\u00f6se&nbsp;mit H\u00e4rte austreiben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kann man den B\u00f6sen, die f\u00fcr Leid und Zerst\u00f6rung Verantwortung tragen, \u00abdas B\u00f6se\u00bb austreiben? Und wenn ja, wie? Antony Burgess, ein englischer Romancier, gibt in \u00abF\u00fcrst der Phantome\u00bb auf diese Fragen eine interessante Antwort. Der Ich-Erz\u00e4hler erteilt dem zum Papst aufgestiegenen (verlogenen und korrupten) Kirchenmann eine heilsame Lektion. Erst die Erfahrung des Schmerzes, macht aus ihm einen guten Christenmenschen. Hat er Recht?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Banalit\u00e4t des B\u00f6sen<\/h2>\n\n\n\n<p>Burgess h\u00e4lt, \u00e4hnlich wie die Philosophin Hannah Arendt, verweigertes Mitgef\u00fchl f\u00fcr die Ursache des B\u00f6sen. Ihr Buch, das sie \u00fcber das Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen SS-Obersturmbandf\u00fchrer Adolf Eichmann schreibt, nennt sie \u00abBanalit\u00e4t des B\u00f6sen\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach seinem Erscheinen war sie \u2013 nicht ganz unerwartet \u2013 harten Anfeindungen ausgesetzt. J\u00fcdische Zeitgenossen warfen ihr vor, sie verharmlose. Der deutsche Spie\u00dfb\u00fcrger \u2013 den sie vor allem im Visier hatte \u2013 lehnte auch weiterhin jede pers\u00f6nliche Verantwortung f\u00fcr den Holocaust und andere Kriegsverbrechen ab. Erstens hat er n\u00e4mlich von all dem nichts gewusst, zweitens hatte er nicht die Wahl und drittens stets nur seine Pflicht getan.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kann man mit H\u00e4rte das B\u00f6se besiegen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was hat das mit dem Thema hart und weich zu tun? Viel!<\/p>\n\n\n\n<p>Burgess\u2018 Antwort auf das B\u00f6se ist hart. Bei jeder Teufelsaustreibung wird das B\u00f6se (von Guten?) mit unerbittlicher H\u00e4rte ausgetrieben. Entscheidend ist: Geschieht das aus Mitgef\u00fchl? Oder ohne Mitgef\u00fchl? Und was macht das Z\u00fcchtigen mit jenen, die schlagen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was macht das Z\u00fcchtigen, aus denen die schlagen?&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Folgenreich ist n\u00e4mlich nicht nur, wie Bestrafte, aus dem Prozess der Z\u00fcchtigung herausgehen, sondern auch, was der Akt des Strafens mit denen macht, die strafen. Gehen nicht auch sie als andere aus diesem Bestrafungsprozess heraus? Sind sie danach noch Gerechte oder einfach nur Selbstgerechte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Lamm Gottes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00abLamm Gottes\u00bb geht den radikalsten Weg. Christus opfert sich und nimmt die Schulden der Welt auf sich. Er will, dass wir gut sind. Er fordert Barmherzigkeit und erinnert uns daran, dass jeder ein S\u00fcnder ist. Ausnahmslos. Den ersten Stein werfen darf nur, wer ohne Fehl ist. Davon sind wir heute sehr weit entfernt. Das Steinewerfen hat Konjunktur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das Steinewerfen hat Konjunktur<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Selbstgerechtigkeit und der Wunsch nach Perfektion beruht immer auf Selbst\u00fcberh\u00f6hung. Dass Christus von uns fordert, (auch) unsere Feinde zu lieben, und ihnen auch noch die andere Wange hinzuhalten, geht den meisten Menschen zu weit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Eine Einladung zuzuschlagen ist es trotzdem nicht<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Radikaler kann man das bedingungslose Vertrauen in die Unbesiegbarkeit der G\u00fcte tats\u00e4chlich nicht einfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Einladung zuzuschlagen, ist es trotzdem nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch vielleicht gilt unsere Sorge viel zu selten den T\u00e4tern. Was geht in ihnen vor? Wo kommt so viel Hass her? Wie k\u00f6nnen sie damit leben?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mitgef\u00fchl und Empathie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Empathie ist angeboren. Aber nur wenn wir von klein auf Mitgef\u00fchl erfahren, w\u00e4chst in uns die Sensitivit\u00e4t, das soziales Empfinden, das uns zu mitf\u00fchlenden Menschen macht. Wer nicht mitf\u00fchlen kann, ist fast immer krank oder selbst Opfer. Wie viel Sinn macht es also, &nbsp;ausgerechnet diesen deformierten Menschen mit H\u00e4rte und Selbstgerechtigkeit zu begegnen und sie in der Gewissheit ihrer Verlorenheit zu best\u00e4rken?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch aus der Lernpsychologie wissen wir: Strafen hilft nie. Nur Unterst\u00fctzung und Motivation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nur Leben ist Reichtum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Blick in die Evolution ist in Bezug auf unser Thema lehrreich. Wie viel H\u00e4rte brauchen Tiere und Pflanzen, um zu \u00fcberleben? Bevorzugt die (belebte) Natur Intransigenz? Innenpanzer, Au\u00dfenpanzer, Skelette haben in der Tat eine wichtige Funktion. Sie tragen, stabilisieren und sch\u00fctzen die Verletzlichkeit des im Wesentlichen weichen Lebens: Stark durchblutete Organe, das Gehirn, verletzlichen Blutgef\u00e4\u00dfe und zarte Nervenbahnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Mediziner sind Verh\u00e4rtungen Anzeichen von Entz\u00fcndungen oder Krankheit. Kalkablagerungen in den Gef\u00e4\u00dfen gef\u00e4hrden f\u00fcr Leib und Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wo nichts mehr flie\u00dft ist Leben unm\u00f6glich<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wo sich nichts mehr bewegt, nichts flie\u00dft und alles starr ist, ist Leben ganz und gar unm\u00f6glich. Leben ist st\u00e4ndige Ver\u00e4nderung, braucht den st\u00e4ndigen Fluss von Energie. Wir steigen niemals in den gleichen Fluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo die Umweltbedingungen am H\u00e4rtesten sind, \u00fcberlebt das Biegsame. In Erdbebengebieten stehen H\u00e4user, die mitschwingen k\u00f6nnen. Wenn die meisten B\u00e4ume schon gefallen sind, richten sich der Bambus und Grashalm wieder auf. H\u00e4rter als der Berg ist nur das Wasser, das ihn mit der Zeit besiegt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nur die Harten kommen in den Garten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abSurvival of the fittest\u00bb wird als \u00abehernes Gesetz der Evolution\u00bb von den Hohepriestern der freien Marktwirtschaft gerne missdeutet. Dahinter steht \u00fcbrigens (das) System.<\/p>\n\n\n\n<p>Zutreffender ist: \u00dcberleben werden nicht die H\u00e4rtesten, sondern die \u00abAngepasstesten\u00bb. Im Spiel des Lebens durfte immer nur die Art ein Spielfeld weiterziehen, die lernf\u00e4hig war und sich rechtzeitig an ver\u00e4nderte Umweltbedingungen anpasste.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann ein Homo Sapiens, der in die Evolution eingreift, daran an etwas \u00e4ndern?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kooperation schl\u00e4gt Konkurrenz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Evolution\u00e4r erfolgreich zu sein, erfordert viel \u00f6fter das Gegenteil von Konkurrenz. In der Natur \u00fcberwiegt die Kooperation mit Artgenossen bis hin zur Aufopferung f\u00fcr die Gemeinschaft. Schwarmintelligenz und Symbiosen sind sehr erfolgreiche, evolution\u00e4re Strategien<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Keiner ist h\u00e4rter: Der Mensch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Homo Sapiens ist evolution\u00e4r betrachtet, ein game-changer. Eine gef\u00e4hrlich unkooperative Art. Keine Spezies war in den Dimensionen Vermehrung, Ausbreitung und Eingriffstiefe bisher erfolgreich als er. Aber kann man einen Krieg gegen die Natur gewinnen? W\u00e4re nicht Lernen von der Natur jetzt ganz dringend angesagt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hart wie Kruppstahl \u2013 z\u00e4h wie Leder \u2013 flink wie Windhund<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als \u00abKrieg (oder Kampf) aller gegen alle\u00bb charakterisiert der englische Philosoph&nbsp;Thomas Hobbes&nbsp;in seinem Werk&nbsp;De Cive&nbsp;(1642) den Naturzustand&nbsp;der Menschheit und begr\u00fcndet so die Forderung nach einer absoluten Macht. Sein Zeitgenosse Shaftesbury wollte ihm darin nicht folgen. Er glaubte an die Kooperation und die Selbstlosigkeit des Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Sehnsucht, immer dazu zu geh\u00f6ren ist gef\u00e4hrlich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verhaltenswissenschaften und Neurobiologen geben heute Shaftesbury Recht. Schon Babys wollen kooperieren. Ausgrenzung, Ungerechtigkeit und Entw\u00fcrdigung l\u00f6sen von klein auf Mitgef\u00fchl (Schmerz) aus, und den Wunsch zu Helfen. Opportunismus aus Angst \u00abnicht dazuzugeh\u00f6ren\u00bb, macht aus uns moralisch gesehen schwache Wesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gelingt es egoistisches, hartherziges und gieriges Verhalten als Gruppenregel zu etablieren, mutieren auch friedliebende Zeitgenossen zu Folterknechten und Schreibtischt\u00e4tern. Wer seinen moralischen Kompass nicht rechtzeitig, unbeirrt, unmissverst\u00e4ndlich, hartn\u00e4ckig, selbstbewusst und standfest vertritt, findet sich in Verh\u00e4ltnissen wieder, die ihn verbiegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Macht? Wessen Macht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenleben braucht Regeln. Der Umgang mit der Natur auch. Trotz Vernunftbegabung und Wunsch nach Kooperation war der Mensch mit seinen Versuchen, eine dauerhafte und gute Ordnung zu etablieren und in Frieden miteinander und der Natur zu leben, nur selten erfolgreich. Die Unordnung liegt urs\u00e4chlich vor allem auch in ihm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Unordnung liegt urs\u00e4chlich auch im Menschen<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6kologischen und sozialen Probleme der Gegenwart sind sowohl Folgen von \u00dcbermut, Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, Rachegel\u00fcsten, sinnloser H\u00e4rte und Gier, als auch von Wegschauen, Wegducken, Teilnahmslosigkeit, Verweigerung von Mitgef\u00fchl, Bequemlichkeit und Feigheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Liegt es daran, dass Menschen bisher zu weich waren? Dass sie dies zulie\u00dfen? Oder liegt es daran, dass er zu hart war und mit seiner H\u00e4rte, das Harte stark macht und n\u00e4hrt?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Vermutung: Wir wissen es nicht. Die Geschichte der Menschheit ist noch immer ein Experiment mit offenem Ausgang.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Universum und die Erde brauchen diesen ebenso weichen wir harten homo Sapiens nicht. Aber Gott braucht ihn. Wozu sonst w\u00fcrde es uns seiner bed\u00fcrfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Macht des Weichen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDass das weiche Wasser in Bewegung, mit der Zeit den m\u00e4chtigen Stein besiegt. Du verstehst, das Harte unterliegt.\u00bb Mit diesem Satz endet die kurze Erz\u00e4hlung Brechts \u00fcber die Entstehung des Buches \u00abTaoteking\u00bb. Das war haupts\u00e4chlich politisch gemeint und ein ebenso sch\u00f6ner, wie tr\u00f6stlicher Gedanke.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer keine Lust hat darauf zu warten, kann aber auch heute schon selber was tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn vor allem Wegschauen und Gleichg\u00fcltigkeit die wichtigste Ursache f\u00fcr das B\u00f6se in der Welt sind, m\u00fcssen wir dann nicht mehr und h\u00e4rter k\u00e4mpfen? Ich denke Ja. Aber selbst zu verh\u00e4rten ist auch keine L\u00f6sung. Denn auch der Zorn entstellt das Gesicht. Was n\u00fctzt es, wenn am Ende des Kampfes nichts mehr bleibt, wof\u00fcr es sich zu leben lohnt? Und damit meine ich vor z.B. Liebe, Vertrauen, Z\u00e4rtlichkeit, das Miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Auch der Zorn entstellt das Gesicht<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Harte K\u00e4mpfe bringen noch mehr H\u00e4rte und Leid in die Welt. Der Fehler hat System, und er liegt auch in dem Wunsch den Gegner zu besiegen. Das Projekt Menschwerdung stirbt an einem eklatanten Mangel an Barmherzigkeit, Liebe und Vergebung und an unserem erbarmungsw\u00fcrdigen Hang zur Selbstgerechtigkeit, die \u2013 wie die Dummheit \u2013 nur sich selbst kennt. Sie f\u00f6rdert die Blindheit f\u00fcr den Balken im eigenen Auge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dem Harten weichen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unter den h\u00e4rtesten Herrschern und im Krieg ist es klug, sich einem Kampf, den man nicht gewinnen kann, zu verweigern. Trotzdem brauchen wir alle die Standhaftigkeit, f\u00fcr eine Welt zu streiten, in der die G\u00fcte weder der Aufopferung noch des Heldentums bedarf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Weich sein bedeutet klug sein, bedeutet sich der Dummheit der Rechthaberei und der Gewaltt\u00e4tiger beim Denken und im Handeln zu entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>(Auf)Weichen kann \u2013 wenn wir es als Prinzip der Nicht-Kooperation verstehen \u2013 sehr m\u00e4chtig sein. M\u00e4chtiger als jede H\u00e4rte und Gewalt. Es ist m\u00f6glich dem B\u00f6sen, der Gier und dem Hass die Grundlage entziehen, indem man nicht mit ihnen kooperiert. Nichts ist m\u00e4chtiger als die Macht der Nicht-Kooperation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Macht der Nicht-Kooperation<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer nach den Regeln der T\u00e4ter spielt, macht sie stark und hat schon verloren. B\u00fcrgerlicher Ungehorsam \u2013 klug gedacht und gut gemacht \u2013 sollte das Werkzeug sein, die Welt und uns zum Guten zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Harte ist nur scheinbar im Vorteil und siegt. Das Weiche und Biegsame hat ein Imageproblem. Wir m\u00fcssen das \u00e4ndern. Muss das eigentlich sein? Je besser es uns (materiell) geht, desto h\u00e4rter sind wir mit uns selbst. Selbstoptimierung und Perfektion sind angesagt. Lustvoll unterwerfen wir uns eisernen Exerzitien. 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