{"id":51,"date":"2024-02-14T08:47:41","date_gmt":"2024-02-14T08:47:41","guid":{"rendered":"https:\/\/christineax.de\/?page_id=51"},"modified":"2025-06-19T07:21:51","modified_gmt":"2025-06-19T07:21:51","slug":"biografisches","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/christineax.de\/?page_id=51","title":{"rendered":"Biografisches"},"content":{"rendered":"\n<p>Geboren 1953 &#8211; also im Kambrium &#8211; geh\u00f6re ich zu einer Generation, die das zweifelhafte Vergn\u00fcgen hat, in ihrem kurzen Leben gleich zwei geologische Zeitalter kennenzulernen. Denn die Kambrium-Klima-Nische liegt hinter uns. Vor uns liegen extrem ungewisse und holprige Jahre des Anthropoz\u00e4ns.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnere, dass es in meiner Kindheit kaum Autos gab, kaum Telefone oder Flugzeuge. Schokolade war eine Kostbarkeit, nach der wir Kinder uns meist vergeblich sehnten. Eine Eiskugel &#8211; Gipfel der Freude &#8211; kostetet 10 Pfennig. Ein Bonbon (rosa und klebit) kostete ein Pfennig.<\/p>\n\n\n\n<p>Von klein auf sehr christilich erzogen, von einem Jesuitenpater politisiert und emp\u00f6rt \u00fcber die Ungerechtigkeiten und Kriege in der Welt, schloss ich mich als Sch\u00fclerin  der Studentenbewetung an, die auch eine Sch\u00fcler-Abteilung hatte und arbeitete freiwillig und unbezahlt in einem Altersheim. Als Klassen-, Schul- und Fachschaftsprecherin nahm ich den Auftrag, sich in unserer Demokratie zu aktiv zu engagieren ernst. <\/p>\n\n\n\n<p>Meine Jugend war gepr\u00e4gt von antiautorit\u00e4ren Blumentr\u00e4umen, Friedensw\u00fcnschen, Optimismus und der Idee, dass die sexuelle Befreiung  Befreiung wichtig, Konsum hingegen unwichtig ist. Geld und Karriere waren meiner Generation unbekannte Objekte und hatten nichts mit uns zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Das humanistische Gymnasium, das ich besuchte, hat an mir ganze Arbeit geleistet: Ganz in der Tradition der Aufkl\u00e4rung war mir das &#8222;Selber Denken&#8220; als einzigartig spannender und unterhaltsamer Ausweg aus jeder selbstverschuldeter Unm\u00fcndigkeit und Langeweile Leitschnur und Ansporn.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst Anfang der 80er Jahre, als wir einen SPD-Kanzler hatten, der (wie \u00fcbrigens auch Oskar Lafontaine) zur &#8222;Toscana-Fraktion&#8220; geh\u00f6rte und Brioni-Anz\u00fcge trug, wurde der Wunsch nach Luxus, Marken und Karriere auch in meiner Welt &#8222;hoff\u00e4hig&#8220;. Mit fatalen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Lehrer hatten es nicht  einfach mit mir: Ich war belesen, faul, eigenwillig, diskutierfreudig, gr\u00fcndete eine freiwillige Philosophie-Arbeitsgruppe , die sich Nachmittags traf und neigte zum Widerpruch. <\/p>\n\n\n\n<p>Das (vollst\u00e4ndig selbst finanzierte) Studium der Philosophie, Politischen Wissenschaften und Volkswirtschaftslehre verlief unauff\u00e4llig. Ich hatte wunderbare Professoren, darunter Klaus Novy, Kurt Lenk, Klaus Pr\u00e4torius, Mathias Gatzemeier u.a.. Die Schwerpunkte lagen in den Bereichen Wissenschaftstheorie, Frankfurter Schule und einem intensiven Studium der Politischen Theorien &#8211; die ich sp\u00e4ter &#8211; im Rahmen meiner Masterarbeit am Beispiel Frankreich und De Gaulle vertiefte. <\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein Zufall verhinderte meine Promotion in Hamburg. Ich wollte mich mit der Neuen Rechten in Frankreich besch\u00e4ftigen, was wie wir heute wissen, keine schlechte Idee  war.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sich die Auszahlung der Stipendien pl\u00f6tzlich um ein Jahr verz\u00f6gerte, nahm ich das Angebot an, im Auftrag der Umweltschutzbeh\u00f6rde (Senator Wolfgang Curilla) den ersten Hamburger Umweltatlas zu schreiben. Danach lie\u00df mich das Thema Umweltschutz nicht mehr los. Nachhaltigkeit ist seit damals die theoretische und praktische Herausforderung, um die sich all mein Denken und Arbeiten kreiste.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich niemals promovierte oder Professorin wurde &#8211; noch nicht einmal ehrenhalber &#8211; d\u00fcrfte vor allem meinen Kindern zu verdanken sein. Zwei gro\u00dfe Lieben, die mir alles &#8211; finanziell und zeitlich &#8211; abverlangt haben, was befreundee Kollegen in ihrer Karriere und in der Verbreitung ihres Ruhmes stecken konnten. Ich habe es nie bereut.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen fast alle wichtigen Denkerinnen der Nachhaltigkeitsforschung kennen gelernt zu haben: Walter Stahel, Willy Bierter, Friedrich Schmidt-Bleek, Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker, Uta von Winterfeld, Friedrich Hinterberger, Niko Peach, Wolfgang Sachs, Andreas Weber, Christa Liedtke, Adelheid Biesecker, Dr. Georg Winter, die Forscherinnen am ISOE, am Wuppertal-Institut u.v.a. mehr. Wir stehen immer auf den Schultern von Riesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine eigene wissenschaftliche Agenda war sehr eigen: ich wollte wissen, was das Handwerk (das ich liebe) zur Transformation unserer Gesellschaft in eine gerechtere, gl\u00fccklichere und nachhaltigere Welt leisten kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich lebe gerne. Ich liebe die Natur. Ich f\u00fchle mich heute gl\u00fccklicher denn je &#8211; und trauriger. Denn all mein Bem\u00fchen um eine andere, bessere und nachhaltigere Wirtschaft und Gesellschaft waren nicht wirklich erfolgreich. <\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl wir Nachhaltigkeitsforscherinnen in den letzten Jahrzehnten nichts unversucht lie\u00dfen, um die \u00f6kologische Transformation voranzubringen, um Politik und Wirtschaft von den Notwendigkeiten des Klimaschutzes und der Ressourcenwende zu \u00fcberzeugen, haben in Deutschland nur wenig ver\u00e4ndert. <\/p>\n\n\n\n<p>Und um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch ich war und bin Teil des Problems. Ich besa\u00df bis vor einem Jahr ein Auto (weil auf dem Lande leben), esse ganz manchmal Fleisch (aber eigentlich lieber Fisch) und in der Regel GEm\u00fcse und H\u00fclsenfr\u00fcchte (bio). <\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen ist das Auto abgeschafft, was mich mobiler macht. Wir haben in unserem kleinen St\u00e4dtchen  ein D\u00f6rpsmobil, ich habe ein Deutschlandticket, ein gebrauchtes Elektrofahrrad, mache meine Reisen in Europa mit der Bahn. Kaufe wann immer m\u00f6glich refurbished oder second-hand. Aber auch ich fliege manchmal: u.a. nach Japan, um dort meinen Familie zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geboren 1953 &#8211; also im Kambrium &#8211; geh\u00f6re ich zu einer Generation, die das zweifelhafte Vergn\u00fcgen hat, in ihrem kurzen Leben gleich zwei geologische Zeitalter kennenzulernen. Denn die Kambrium-Klima-Nische liegt hinter uns. Vor uns liegen extrem ungewisse und holprige Jahre des Anthropoz\u00e4ns. 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