Landwirtschaft: Vom Sektor zur Sekte

Die junge Frau, die sich jüngst zu Wort meldete, sah sehr brav aus. Ihr Outfit bestehend aus Hose, Hemd und Pullover und die Art und Weise, wie sie sich höflich und vorsichtig zu Wort meldete, machte auf den ersten Blick klar: Ich bin keine Revoluzzerin. Vor mir muss keine Angst haben. Sie erzählte, dass sie Landwirtin ist und jüngst an einer Veranstaltung des Kreisbauernverbandes teilnahm. Sie machte dort einen ganz „unerhörten“ Vorschlag. Sie regte an, dass die Landwirte in ihrer Region sich mit ihren Kritikern zusammensetzen und sprechen. Sie habe nämlich das Gefühl, dass beide Seiten sich in ihrer eigenen “ Blase“ aufhalten und zu wenig von einander wüssten.  Das kam nicht gut an. Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde der Vorschlag totgeschwiegen und man redet nicht mehr mit ihr. Das schwarze Schaft wurde verstoßen. Dies war nicht das erste Mal, dass sich mir der Eindruck aufdrängte, dass die Landwirte die heute noch konventionell arbeiten, den Charakter eine Sekte angenommen haben. Es gab schon viele Situationen, in denen ich in Gesprächen mit Landwirten sehr schnell am Ende war. Ich mit meinen Argumenten – der Gesprächspartner mit seinen Argumenten. Als ob wir in zwei unterschiedlichen Universen lebten. Der Bauernverband und seine Zeitschriften, die Landwirtschaftskammern mit ihren Ausbildungs- und Beratungsangeboten haben sich inzwischen in „Blasen“ verwandelt, die sich perfekt gegen alle Informationen und Entwicklungen abschotten, die sich kritisch mit den Folgen der industriellen Landwirtschaft auseinandersetzen. Nur noch 40 % an Vögeln, 80 % aller Insekten tot, Bodenerosion, das Leid der Tiere, jedes Dritte Huhn mit resistenten Keimen verseucht.. immer weniger wirksame Antibiotika..  Alles kein Problem??? Hat alles nichts mit ihnen zu tun? Und wenn dann man ein Zugeständnis gemacht wird, dann hält man sofort die Hand auf: Naturverträgliche Wirtschaftsweisen? Dafür muss die Gesellschaft bezahlen. Soviel Blindheit auf beiden Augen.. das macht mich sprachlos.

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