Wie wertvoll ist uns Natur?

Posted on Posted inUncategorized

Erstens: Das anthropozentrische Weltbild, beruht auf dem Gedanken, dass nur der Mensch wichtig ist, und die Erde ihm Untertan ist. Dass sie ihm nützen und dienen soll. Und alles was für den Menschen keinen Wert hat, ist wertlos und es bekommt immer nur dann einen Wert, wenn wir ihm einen Wert geben. Der Begriff Wert ist vieldimensional. Die Bestimmung eines Wertes kann z.B. auf einem ethischen Diskurs beruhen, der unsere Werte umfassend reflektiert und mit dem Ziel abwägt, das Gute, das Wahre und das Schöne zu erkennen und zu seinem Recht kommen zu lassen.

Wert kann auch „Sinn“ bedeuten. Sinn hat mit Kontext zu tun.

Man kann natürlich einwenden, dass  jedwede Bewertung oder Sinngebung schon alleine deshalb anthropozentrisch ist, weil nur der Mensch beides vermag. Das ist wohl war. Aber: Vernunftbegabt wie der Mensch ist, kann er anerkennen, dass er und alles was er herstellt Natur ist und dass

  • eine Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweise, die den Menschen außerhalb dieser natürlichen Ordnung sieht und
  • eine Gesellschaft und Wirtschaft, die die Gesetze der Natur nicht anerkennt sondern systematisch zerstört,

Selbstmord ist, sinnlos und unethisch, weil sie alle Werte, die wirklich lebenswichtig und lebens- bzw. liebenswert sind, zerstört.

Der Mensch, das einzige schreibende und mit einem ausgeprägten Möglichkeitssinn begabte Tier, kann sich gegen eine anthropozentrische Denk- und Handlungsweise entscheiden und täte gut daran, dies so schnell wie möglich zu tun.  Schade nur, dass seine Vernunftbegabung  kein Garant dafür ist, dass er diese Gaben wirklich sinnvoll oder ethisch nutzt.

Zweitens: Die westliche und vor allem die liberale Denkweise (die theoretisch in einem gewissen Gegensatz zur Konservativen (bewahrenden) stehen müsste, stellt nicht nur den Menschen sondern das Individuum in den Vordergrund. Wir werden zum Individualismus erzogen und die Ausprägung unserer einzigartigen, möglichst kreativen und möglichst dominanten Persönlichkeit, ist heute mehr denn je Voraussetzung fürdas soziale Überleben und den Aufstieg. Vorausgesetzt natürlich, man verfügt gleichzeitig über die erforderliche Gelenkigkeit und den notwendigen Opportunismus auch irgendwie immer der Meinung der Vorgesetzten zu sein, die für die nächsten Karriereschritte notwendig sind. Für diese Kinder der Moderne ist der Gedanke, dass irgend etwas wichtiger sein könnte, als sie, ihr Fortkommen, ihre Genüsse und ihr Wohlergehen, eine schwer vorstellbare Beleidigung. Nichts ist ihnen kostbarer als sie selber.

Drittens: Wer an die Dialektik glaubt und an den Fortschritt, könnte jetzt daraus Schlussfolgern: Die Auflösung dieser Widersprüche liegen in einer Gesellschaft und in einem System, in dem die Voraussetzung für die Entfaltung der Individuen und ihrer einzigartigen Persönlichkeit eine Wirtschaftsweise ist, in denen nur diejenigen Erfolg haben, Karriere machen können und anerkannt werden, die sich für eine ökozentrische Denk- und Handlungsweise und Ethik entschieden haben.

Will sagen: An erster Stelle stehen die Gesetze der Natur. Und alle Handlungsweisen werden daran gemessen, wie sehr sie in Harmonie mit den Gesetzen der Natur stehen und vielleicht sogar, wie sehr sie dazu beitragen, die Produktivität und den Reichtum der Natur zu erhöhen. So weit so gut und eigentlich auch machbar. Ende gut alles gut.

Unwert

Der Feind all dieser Überlegungen ist aber ein Wertbegriff der rein ökonomisch ist. Denn sobald wir anfangen, den Wert der Natur auf ihren ökonomischen Wert zu reduzieren, gehen wir in die falsche Richtung. Denn ökonomischen Wert hat nur, wofür es einen Markt gibt, auf dem dann alle Güter gehandelt und ihren Preis erhalten. Der Markt an den die neoliberale Theorie glaubt, regelt mit seinen unsichtbarer Hände alles zum Wohl der Allgemeinheit – vorausgesetzt man lässt ihn machen und setzt ihm keine Grenzen (laissez faire – laissez passez).  Das es sich um einen Glauben handelt kann heute nicht mehr bestritten werden. Denn nur ein kleiner Teil der  Versprechen, die mit diesem Glauben einhergehen wurden eingelöst – während gleichzeitig die Schäden, die mit diesem globalen Experiment einhergehen ins unermessliche wachsen. Vor allem seitdem aus regionalen oder nationalen Märkten der globalisierte Markt und der Finanzkapitalismus geworden ist.

Wenn wir unter den heutigen, real existierenden Rahmenbedingungen die knapp gewordene  Natur mit Hilfe von Preismechanismen und ökonomischen Bewertungen „retten“ wollen, und das ist der Gedanke der green economy – dann ist das Projekt „Zivilisation“ nicht mehr zu retten. Denn der Finanzkapitalismus ist – solange er so unbeherrschbar ist wie heute – genau wie andere Naturphänomene (Hurricanes, Waldbrände) extrem effektiv. Die Monetarisierung aller natürlichen Werte wird die Umverteilung von unten nach oben beschleunigen und führt stärkt die Konzentrationsprozessen, die wir heute von allen Märkten und in allen Branchen kennen.

Denn das haben wir doch wohl alle gelernt: Was in einem solchen System keinen Wert hat, weil sein Preis nicht hoch genug ist, ist überflüssig und hat keine Existenzberechtigung. Ein Mechanismus, der ja auch schon heute für Menschen gilt und an den wir uns scheinbar schon gewöhnt haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.